Das Wort »Beziehung« ist der Inbegriff der Lieblosigkeit. Anders als die linke Alltagssprache nahelegt, in der ständig »Beziehungskrisen« gelöst oder »Erst- und Zweitbeziehung« koordiniert werden müssen, handelt es sich um keinen qualitativen Begriff, sondern um die Bezeichnung für eine leere Relationalität: Dass ich zu jedem, mit dem ich irgendwie in Beziehung trete, eine Beziehung unterhalte, lässt sich leider nicht vermeiden und wäre eigentlich keiner Rede wert. Wenn die Menschen trotzdem, je bornierter und liebesunfähiger sie sind, desto beharrlicher über ihre »Beziehungen« diskutieren, so liegt das nach Meinung der Verteidiger des Begriffs, die ihrerseits in »offenen Beziehungen« leben, gerade an dessen nützlicher Insignifikanz. Ein Wort, das schlechterdings alles bezeichnen könne, schließe wenigstens nichts aus und sei daher brauchbarer als exklusive Titel wie »Liebe« oder »Freundschaft«. Im Alltag freilich wird diese scheinbare Offenheit täglich Lügen gestraft: Wer von jemandem als »meine Beziehung« spricht, entqualifiziert das Individuum tendenziell bereits zu jenem Problem, als das die »Beziehung« später behandelt und notfalls abgewickelt werden kann. Die Beziehung zu einem Menschen »Beziehung« zu nennen, ist der erste Schritt zu ihrer Erledigung.
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